Green Building by Waldemar Eider

L E I S T U N G E N    » Bau-Fachwissen

Lehmbaustoffe bei Handwerk, Sanierung & Denkmalpflege

Ökologische und bauphysikalische Eigenschaften

  • Feuchtigkeitsregulierend
  • Dampfdiffusionsfähig (Dampfdiffusionszahl µ 5/10)
  • Wärmespeichernd
  • Wärmedämmend
  • Spezifische Wärme 1kJ/kgK
  • Schalldämmend
  • Holzkonservierend

Schallschutz:
Es können die Schallschutzeigenschaften übernommen werden, die der anderen Massebaustoffe, wie z.B. Beton, entsprechen

Feuchteregulierend:
Die aufgenommene Feuchte wird schnell an die Oberfläche abgegeben und hält so die Wände trocken. Lehm kann also effektiv Schimmelbefall vorbeugen.

Lehm, dem heutigen Stand der Technik angepasst

Lehm wird heute mit herkömmlichen Baumaschinen (Quirl, Betonmischer, Putzmaschine usw.) aufbereitet und verarbeitet.
Diese einfache Handhabung war einer der wichtigsten Schritte bei der Weiterentwicklung des Lehms als Baustoff und hat zu dessen Verbreitung beigetragen.
Der zeitliche Aufwand ist mit heutigen Lehmfertigprodukten gleich zu anderen Materialen (Kalk, Gips usw.).

Mit seiner gestalterischen Vielseitigkeit, wird der Lehm auch den unterschiedlichsten ästhetischen Ansprüchen gerecht.

So können Oberflächen individuell gestaltet werden:

  • Glatte und gefilzte Oberflächen
  • Strukturoberflächen
  • Roll- und Streichputze
  • Farbige Lehmputze

Moderne Lehmbaustoffe und ihre Einsatzgebiete

Bereich Wand und Decke:

  • Lehmunterputze mit und ohne Stroh
  • Lehmoberputz
  • Lehmfeinputz (als Sackware oder BigBag)
  • Erdfeucht- bis Trockenmörtel
  • Lehmedelputz
  • Lehmstreichputz
  • Lehmfarbe
  • Lehmgrundierung
  • Lehmspachtel
  • Lehmhaftgrund
  • Lehmtiefengrund
  • Lehmbauplatten
  • Lehmsteine
  • Lehmmauermörtel

 

Bereich Deckenaufbau und Füllung:

  • Lehmgranulat trocken Schüttung
  • Lehmdeckenschüttung

Lehmbaustoffe werden sowohl bei Neubauten als auch bei Sanierungen eingesetzt.
Ein wichtiger Punkt bei der Verwendung von Lehmputzen ist die Untergrundvorbereitung des vorhandenen Mauerwerks. Hohlblockstein, Ziegelstein, Sandstein, sowie Putze, Kalk und Zement haben spezifische Eigenschaften, die es zu beachten gilt.

Der Lehmputz muss auf den verschiedenen Untergründen halten.
Je nach vorhandenem Bestand, muss der Untergrund vorbereitet werden, dazu gehört der Lehmhaftgrund als Grundierung.
Lehmputze können im gesamten Innenbereich, für Böden, Decken oder Wände, auf allen saugfähigen und mineralischen Untergründen eingesetzt werden.

Zu beachten ist, dass die Abriebfestigkeit des Lehmputzes nicht dem des Kalkputzes entspricht.

Es stellt sich auch die Frage: Wo sind die Grenzen für die Verwendung von Lehmbaustoffen?
Lehmsteine, die statisch zu belasten wären, sind beispielsweise keine am Markt vorhanden.

„Es gäbe durchaus Möglichkeiten, Lehm auch in Hochhäusern einzusetzen”

  • Natürlich nicht als tragendes Element
  • Man könnte doch eine Beton-Stahlkonstruktion bauen z.B. 9 Stockwerke, kompletter Innenbereich mit Lehmbaustoffen, Trennwände aus Lehmsteinen…
  • Lehmbauplatten
  • Lehmputze
  • Lehmfarbe

Die Verarbeitung und Oberflächenstruktur von Lehmputzen ist dem heutigen Stand der Technik angepasst

Lehmsteine, Putze und Farben müssen spritzwassergeschützt sein.
Oft kommt die Frage, ob Lehm für den Einsatz im Bad geeignet sei?
Ein klares JA.
Der Spritzwasserbereich bei Dusche, Waschbecken, Badewanne usw. muss jedoch geschützt sein. Dort werden Fliesen oder Tadelakt (verdichteter Kalkputz) angebracht.

Ansonsten ist der Lehmputz besonders für Bäder geeignet, da dort sehr viel Feuchtigkeit vorhanden ist.
Eine der besten Eigenschaften von Lehm ist es, sehr viel Feuchtigkeit aufzunehmen und bei Bedarf abzugeben, man spricht von feuchteregulierenden Eigenschaften.

Lehmbaustoffe in der Sanierung

Zeitgemäße Lehmbaustoffe erleichtern ein fachgerechtes Sanieren von historischen Gebäuden. Der Lehm als Fertigprodukt macht es möglich, dass der Architekt eine Ausschreibung erstellen kann und der Handwerker hat eine Kalkulationsgrundlage um sein Handwerk anzubieten.

Ob Fachwerk, Sandsteinbau, massive Lehmbauten, bei Außenwänden, Decken oder Trennwänden  –  es gibt viele Lösungen, die einfach und gleichzeitig kostengünstig sind, mit dem gleichen Material was Bestand ist. Im Bestand findet man oft historische Lehmbautechniken, die lassen sich ohne großen Aufwand mit Lehm sanieren.

Die einzusetzenden Lehmbautechniken und der Sanierungsumfang sind nach der Bestandsaufnahme festzulegen.

F A C H L I C H E  B E G R I F F E

Staakendecken:
Eichenhölzer als Träger der Lehmausfachung

Strohwickel:
Stroh wird um die Eichenhölzer gewickelt

Lehmgefach mit Strohlehm:
Gemisch aus Lehm und Faserstoffen z.B. Stroh und Flachs

Flechtwerk:
Das Geflecht wird aus Haselnuss hergestellt und wird in eine Staakung eingeflochten

Strohlehm:
Bewurf bei Flechtwerk – beidseitig das Geflecht bewerfen und zwischen die Ruten drücken

Lehmputze:
Können auf saugfähige, mineralische Untergründe aufgetragen werden

Lehmfarbe:
Verwendung auf allen saugfähigen, mineralischen Untergründen

Lehmedelputz:
Verwendung auf allen saugfähigen, mineralischen Untergründen

Bei Fachwerkbauten, in den Außen- und Trennwänden findet sich häufig eine Ausfachung mit Eichenstaken und Haselnuss als Flechtwerk. Beidseitig ist ein Strohlehmbewurf vorhanden. Ist dieses Lehmgefach ohne größeren Schaden, kann das Lehmgefach problemlos mit Lehmunterputz saniert werden.

Kann das Lehmgefach nicht erhalten werden, sollte es mit Lehmsteinen und Lehmmauermörtel ausgefacht werden. Für den weiteren Aufbau innen, empfiehlt sich ein zweilagiger Lehmputz. Im Außenbereich sollte die oberste Putzschicht ein Kalkputz sein. Bewährte Farben für den Innenbereich sind Lehmfarben und Kaseinfarben. Der Außenbereich wird mit einer mineralischen Silikat-Farbe gestrichen.

 

Bei Lehmwickeln in den Decken, können die Fehlstellen mit Strohlehm repariert werden.
Bei sichtbaren Deckenbalken, werden die Deckengefache mit Lehmputz auf eine einheitliche Sichtdecke verputzt.

Die Alternative ist, Lehmbauplatten an einer Deckenkonstruktion anzubringen und dünnlagig Putz aufzutragen. Um die Gefachdecken zu sanieren, sind lose Teile zu entfernen und Fehlstellen auszubessern. Anschließend sind die Lehmbauplatten anzubringen.

Energetische Sanierungen

Eine energetische Sanierung mit Lehmbaustoffen ist bedenkenlos durchzuführen, da mit dem gleichen Material, welches schon vorhanden ist, Saniert werden kann.
So vermeidet man bauphysikalische Fehler.

Die Auswahl der richtigen Baustoffe bei Außen- oder Innendämmungen, sowie der Putze und Farben, sollte auf die vorhandenen Baustoffe abgestimmt sein. Es sollen die Baustoffe verwendet werden, die vor Ort Bestand und dampfdiffusionsoffen sind.

Auch eine Sanierung im Sinne der Denkmalpflege wird durch den Einsatz von Lehmbaustoffen gewährleistet. Es kann sehr viel der Altsubstanz erhalten bleiben. Fehlstellen werden mit Lehm aufgearbeitet.
Werden Lehmbaustoffe durch den gleichen Baustoff ersetzt, bleibt das Gebäude dauerhaft schadensfrei, denn bauphysikalische Fehler werden vermieden.
Historische Bauten, die 200 Jahre und älter sind, werden mit modernen Baustoffen kaputt saniert. Häuser die Jahrhunderte alt sind, sanieren wir technisch wie bauphysikalisch falsch, sodass man nach 10 bis 15 Jahren extreme Schäden nachweisen kann.

Innendämmsysteme entsprechen den anerkannten Regeln der Technik und bieten Lösungen, die in der Praxis erprobt und bewährt sind. Einsatzbereiche sind die energetische Sanierung bei erhaltenswerten Fassaden aus Fachwerk, mit Stuck und Sichtmauerwerk.
Bewährt hat sich die Innendämmung mit Schilfrohrdämmplatten, sowie mit eiwa ISOKLIMA Kalzium-Dämmplatten. Diese beiden Dämmplatten-Arten wurden in den letzten Jahren bei historischen Bauten eingesetzt, ohne Dampfbremse oder Dampfsperre.

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Mein Fazit

In der Tat verkörpert der Lehm etwas, was selten geworden ist aber wieder immer mehr Wertschätzung findet:
Handwerkliche Fertigung mit einem der am längsten erprobten Baustoffe der Welt. Neuwertige Lehmbaustoffe, wie Lehmbauplatten, Lehmdekorputz, Lehmfarbe usw., ermöglichen dabei sehr hohe Oberflächen-Qualitäten.

Dabei sind stark gestiegene Anforderungen zu erfüllen:

  • Werkstoffeigenschaften, wie z.B Bindekraft, Plastizität und Druckfestigkeit
  • Wirtschaftliche Anforderungen

 

Zu dem zukunftsweisenden Schritt in Richtung eines ökologischen Passivhauses, gehören nicht nur hochdämmende Bauten, sondern im Innenraum auch Materialien, die Feuchteschäden und Schimmelbildung vermeiden.
Bei Instandsetzung und Umnutzung vorhandener Bausubstanzen, ergeben sich oft eine Vielzahl an Fragen im Bezug auf die Bewertung und Eigenschaften der vorhandenen Baustoffe.
Für den Erhalt der historischen Bauten bedarf es detaillierter Kenntnisse über die bestehende Baukonstruktion und die verwendeten Materialien. Aufgrund dieser Erkenntnisse, soll eine Restaurierung und Innendämmung geplant und ausgeführt werden.

Mit Lehm lassen sich einzigartige und ästhetische Oberflächen schaffen. Lehm wirkt sehr homogen und flächig im Ganzen.
Lehmoberflächen schaffen eine beruhigende Optik, wirken positiv auf das Wohngefühl und bieten durch ihre Eigenschaften ein fantastisches Raumklima.

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